Azubiprojekt die Kesselflicker: Mehr als Flickwerk

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Was schweißt mehr zusammen als eine gemeinsame Herausforderung. Und was bringt mehr Bestätigung, als zu sehen, wie man die gemeinsam meistert. Das erleben gerade 16 Auszubildende der Lentinger Kessel AG, die jeden Freitag an einen Mercedes O302 vpn 1970 Hand anlegen: Das absehbare Ergebnis: Die Auferstehung eines veritablen Zeitzeugen, dokumentiert in Blog und bei Instagram. 

Die Restauration eines historischen Automobils ist ein nachhaltiges Projekt. Das Fahrzeug wird demontiert, alle Teile müssen katalogisiert werden, damit sie auch wieder an der richtigen Stelle montiert werden können. Dann werden sie auf Wiederverwendbarkeit geprüft und aufgearbeitet oder wiederhergestellt. Nur wenn das mit vertretbarem Aufwand nicht möglich ist, werden sie durch neue Teile ersetzt. Aber die gefährden die Originalität. Wenn Fahrzeugnummer, Motornummer und Getriebenummer übereinstimmt, steigt der Wert eines Automobils. 

Genauso sind die “Kesselflicker vorgegangen. Am Anfang stand die totale Demontage des Busses. Motor, Getriebe, Bremsen, alles musste raus. Und da ergeben sich auch manche Überraschungen. Der Bus hat nur eine Laufleistung von 48.000 km. Insbesondere die Verschleißteile waren bei der Herstellung 1970 natürlich auf ein Vielfaches ausgelegt. Und so stellte sich heraus, dass sich die fast 50 Jahre alten Bremstrommeln und -beläge in neuwertigem Zustand befanden. Eine Lackierung machte die Teile von außen ansehnlich. Und der Austausch der vielleicht porösen Schläuche blieb das einzige, was es bei der “Überholung” der Bremsen zu tun gab. 

Körperliche Schwerarbeit war dagegen der Ausbau der rund 500 kg schweren Motor-Getriebe-Einheit, die auch weitgehend demontiert wurde. Auch hier wurden Dichtungen erneuert, der Krümmer sandgestrahlt und neu lackiert. Schließlich mussten noch die Ventile eingestellt werden. Auch hier: Kaum Neuteile. Mit den 10 Ausbildern und 16 Auszubildenden legt auch die Projektleiterin Justyna Ciesielska mit Hand an. Sie ist die versierte “Schleiferin”. Da bekommt der beim Militär gebräuchliche Begriff für besonders harte Ausbilder einen ganz anderen Klang. Bevor die Einzelteile überholt und lackiert werden, müssen alte Farbe und Rostansätze runter. Und diese Aufgabe erledigt die hauptamtlich als Assistentin des Vorstandes Edgar Thiemt tätige Ciesielska mit Inbrunst. 

Thiemt hatte gelesen, dass andernorts Azubis einen VW Käfer restauriert hatten. “Das können wir auch” dachte er wohl. Nur ein Käfer ist viel zu klein. Denn die mechanischen Arbeiten der 16 jungen Frauen und Männer wurden auch noch mit Leidenschaft von 10 Ausbildern unterstützt. Da braucht es ein größeres Objekt.

Ganz originalgetreu wird die Restaurierung nicht. Der Bus wird von der auf Entwässerungstechnik spezialisierten Kessel AG später zu Marketing-Zwecken eingesetzt werden.  Ein veritabler “Eye-Catcher”, der aber dafür ein eigens von den “Kesselflickern” entwickeltes “Innenraum-Konzept” braucht. Mit aus Kartonage zurecht geschnittenen Modellen der gezeichneten Möbeln konnte überprüft werden, ob der Entwurf schön und zweckmässig ist. Zum Jahresende soll der Bus fertig sein. 

In der Bildergalerie kann sich der geneigte Leser einen Eindruck von der Akribie der Restauratoren und ihrer Gründlichkeit gemacht. Vor allem aber von der offensichtlichen Leidenschaft, mit der die Crew der “Kesselflicker” ihrer Aufgabe nachkommt.  

Die Bedeutung historischer Fahrzeuge ist immer mehrdimensional. Sie erhalten althergebrachte Technik und machen es erforderlich, mit den eigenen Händen mechanisch zu arbeiten und so Fertigkeiten zu erlernen, die über die Haptik des Displays eines Smartphones hinausgehen. Sie stärken das Teamwork und geben Selbstbestätigung. Und das geschieht mit jeder Menge alten Metall und ein wenig neuer Farbe. Eben nachhaltig. 

Text: Carl Christian Jancke

Bilder: Kessel AG.

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