Alte Autos – Neue Arbeit

präsentiert von CLASSIC DATA

Je länger jemand arbeitslos ist, desto schwieriger wird es für ihn, einen neuen Job zu finden. Die Neue Arbeit Essen ist darauf spezialisiert, Langzeitarbeitslose auf dem Weg zurück in die Arbeitswelt zu unterstützen. 20 von Ihnen tun das in der “Oldtimerwerkstatt”, in der jährlich zwischen drei und fünf historische Fahrzeuge französischer Provenienz neuer Lebensgeist eingehaucht wird.

René Lewald, der nach einer bewegten Biographie und Selbstständigkeit seit 2012  arbeitslos, bringt den Zweck der Veranstaltung auf den Punkt: “Wir restaurieren uralte französische Autos und machen aus Schrott wieder echte Hingucker. Ein Traum. Endlich wieder gebraucht zu werden, ist ein fantastisches Gefühl.” Seit November ist er in der Werkstatt, die von der Diakonie Essen getragen wird, fest angestellt und unterstützt die drei KfZ-Meister, die den Langzeitarbeitslosen über die Schulter schauen. 

Werkstattleiter Christian Riemann sorgt in Frankreich für Nachschub. Besonders beliebt scheinen die Wellblechtransporter zu sein, die bei Citroen mit dem Kürzel “HY” vom Band liefen und einst für die französische Wirtschaft so bedeutend gewesen sind wie der VW-Transporter fürs deutsche Wirtschaftswunder. Aber auch Peugeots des Typen 302 erleben in Essen-Werden ihre Auferstehung und heimsen gleich bei Schönheitswettbewerben, die hier “Concours d´Elegance heißen” Preise einheimsen. 

“Wir setzen die Autos instand und führen sie einer neuen Nutzung zu”. Das macht sie zu einer nachhaltigen Lösung. Zwischen 15 und 25 Prozent aller Emissionen, die ein Auto im Laufe seiner Lebensdauer verursacht, entstehen durch die Produktion. Und wenn man mit geringen Mitteln etwa einen neuen mobilen Verkaufsstand auf Basis des Wellblech-Citroens auf einem Straßenfest auftaucht, schmeckt der im Auto produzierte Crepe gleich doppelt so gut. 

Das erkannte auch der Besitzer der renommierten Essener Weinbar “Emma2”, Rainer Podzuck,  aus der Rüttenscheider Emmastraße Nummer 2, der von der Oldtimerwerkstatt einen Citroen HY erstanden hatte, der einst einem lothringischen Gemüsehändler als Verkaufswagen diente. Nach einer zweijährigen yRestaurierungszeit rollte der Wagen dann als mobile und nicht minder stilvolle Dependance auf den Rüttenscheider Wochenmarkt, wo die Besucher ab sofort ihren Einkauf mit einem gut gekühlten Tropfen krönen können. Denn neben dem Verkaufstresen verfügt er über Kühlschubladen, Gläserhalterungen und einen Frischwasserbehälter. Eine edle rot-funkelnde Wurst- und Käse-Schneidemaschine  bietet aus dem Siebzig Jahre alten Franzosen stilvolle kleine Leckereien. 

Nicht einmal artfremd ist eine solche Nutzung, denn genau für solche Verwendungen wurden die Wagen einst gebaut, bevor sie ihr zweites Leben auf einer französischen Weide als Viehtränke fristeten. Mehr als 40 Wagen warten auf den Moment, von den Langzeitarbeitslosen zu neuem Leben erweckt zu werden. 

Ein Geschenk für die Restauratoren, wenn auch ein solches Auto möglichst vollständig sein sollte. Nach der Komplett-Zerlegung prüfen die Kfz-Meister, welche Teile ersetzt und welche erhalten und aufbereitet werden können. Nach einer durchschnittlichen Restaurationszeit von 1,5 Jahren haben immerhin schon 15 der Neue-Arbeit-Restaurierungen einen neuen Verwendungszweck und einen neuen Eigentümer bekommen. Und die “Langzeitarbeitslosen” werden nach etwa einem Jahr auf dem regulären Arbeitsmarkt eine neue Chance haben. Denn die Arbeit an den klassischen Fahrzeuge macht fit in den Bereichen Karosseriebau, Mechatronik und Mechanik. Und das wird mit einem Zeugnis unter Beweis gestellt. Rund 40 Objekte stehen bereits zur Verfügung und warten auf ein drittes Leben. 

Die Modelle sind mit Bedacht gewählt. “Der Aufwand lohnt sich für normale Betriebe nicht. Wir müssen wettbewerbsneutral sein, schließlich sind wir ein Projekt der öffentlich geförderten Beschäftigung, ausgestattet mit Mitteln aus dem europäischen Sozialfonds und mit teil-subventionierten Arbeitsplätzen durch das Jobcenter Essen”, sagt Neue Arbeit Geschäftsführer Michael Steltzner.  Bei einem kommerziellen Wettbewerber würde eine entsprechende Vollrestauration um die 100.000 Euro kosten. So profitieren alle von dem gemeinnützigen Projekt der Diakonie Essen, unter deren Dach die Oldtimer-Werkstatt arbeitet.

Text: Carl Christian Jancke

Bilder: Neue Arbeit Essen


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