Creme 21 wird volljährig: Die Tweed-freie Zone

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Oldenburger aus Niedersachsen schwören Stein und Bein: Sie sind keine Ostfriesen. Bei den Organisatoren der Creme21 Youngtimer Rallye fällt es schwer, das zu glauben. Auch in widrigsten Momenten legen sie eine stoische Gelassenheit an den Tag, die manche Teilnehmer an den Rand der Verzweiflung bringt. Als vor mittlerweilen 18 Jahren die Creme 21 Youngtimer Rallye an den Start ging, gab sie den damaligen automobilen Underdogs eine Startrampe. Heute ist es vermutlich die größte Ausfahrt klassischer Automobile Deutschlands. Auch wenn die anglophilen Barbour-Jacken und Timberland-Bootsschuh-Träger ihre Nase rümpfen: Hier hat sich eine Szene gefunden, die ihre längst vergangene Jugend in den 1970er- und 1980er Jahren auf den Rücksitzen der damaligen Alltagsautos zelebriert hatte. Und das mit einem Augenzwinkern. 

Vor der Creme 21 waren Klassiker-Rallyes stets eine ernstzunehmende Veranstaltung. Man nahm sein Auto ernst, sein Hobby ernst und die Veranstaltung sowieso. Mindestens 30 Jahre alt mussten die Fahrzeuge sein, natürlich in einem ordentlichen Zustand und so frisch poliert wie die mitfahrende Gattin frisiert. An den Abenden gab es ein gediegenes Dinner, und zur Siegerehrung wurde der Club-Blazer angelegt. Diese Veranstaltungen gibt es auch heute noch, und sie bereiten denjenigen, die sie besuchen, große Freude. Man muss meist nach einem “Roadbook”  eine bestimmte Strecke absolvieren, auf der Wertungsprüfungen zeigen, wie gut man Gefährt und Gefährten beherrscht. Denn die wahre Kapitänin ist die Beifahrerin, die mit der Stoppuhr in der Hand kommandiert, wann die vorgegebene Zeit erreicht ist, in der der Gatte die aufgestellte Lichtschranke mit dem gemeinsamen Fahrzeug durchquert. Daran sollen schon Ehen gescheitert sein. 

Im Vordergrund der  Veranstaltung stehen ohnehin die Fahrzeuge. Nicht auszuschließen, dass der “Youngtimer-Boom” maßgeblich von der Creme ausgelöst wurde, wie Insider sie kurz und knapp nennen. Gern streift sie eine klassische Rennstrecke. Dort können die Fahrer sportlich die Leistungen ihres Wagens erkunden, geführt durch einen Sportwagen des Sponsors BMW. 

Die Creme 21 Youngtimer ist nicht nur eine sympathische Persiflage dieser normierten Events. Statt Schlauchprüfungen gibt es Pempel-Werfen: Möglichst viele der Saugnäpfe, mit denen man im Alltag die Verstopfung einer Toilette auflöst, müssen nach dem Wurf an einer glatten Oberfläche haften bleiben. Oder die “Kofferfrage”: Ein Spielzeugkoffer mit einer Anzahl Gegenstände darf exakt 21 Sekunden betrachtet werden. Im Verlauf des Tages muss dann dazu eine Frage beantwortet werden, zum Beispiel diese: “Ich habe diese Gegenstände bei ebay ersteigert. Wieviel habe ich bezahlt?” Die Auswahl der Spiele erinnert an einen Kindergeburtstag – und alle haben ihre Riesenfreude daran. Die Preise, die zu gewinnen sind (siehe Titelbild) müssen orange sein. Es sind meist praktische Gadgets aus den 70iger Jahren,

Wenn die Creme 21 einmal im Jahr startet, zieht eine Karawane von 240 Fahrzeugen durchs Land. Mittlerweile können Eigentümer von Autos, die nach 1990 gebaut wurden, eine “Wildcard” ziehen und so zur Verjüngung des Fahrzeugpools beitragen, der gerne auch mit betont schrillen Beispielen aufwartet. Kostümierung in klassischen 1970er Jahre-Outfit ist nicht nur erlaubt, sondern dringend erwünscht. Alles, was andernorts zum schlechten Geschmack gehört, ist hier gern gesehen. 

Dazu gehört auch die verschworene Gemeinschaft. 40 bis 50 wiederkehrende Organisatoren und “Staffis” stellen den Creme-Gegenentwurf zum ADAC-Sportwart. An der gemeinsamen schwarzen Oberbekleidung mit dem charakteristischen “Creme 21”- Schriftzug in Orange sind sie leicht zu erkennen. Sie gelten als echte Gemeinschaft, die sich mit den wiederkehrenden Teilnehmern auch gerne zum gemeinsamen Feiern trifft: Bei der Bremen Classic Motorshow und bei der Techno Classica in Essen gibt es Standparties, auf denen sich die Teilnehmer mit den Organisatoren in der “Creme-freien” Zeit treffen. Doch sogar auf den vermeintlich Nase rümpfenden “Classic Days” auf dem rheinischen Schloß Dyck ist die Creme 21 Youngtimer Rallye präsent: Das ist der beste Beweis, dass das Schmuddel-Image der Alltagsklassiker der Vergangenheit angehört. Auch ein klarer Verdienst der Oldenburger.

CARL CHRISTIAN JANCKE


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