Heidi-Hetzer Gedenkfahrt: “Quatsch nicht, fahr los”!

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Unter den automobilen Ikonen sind Frauen Mangelware. Das hindert niemanden, sie zu bewundern. Wie die im April 2019 plötzlich verstorbene Berliner Mechanikerin, Rennfahrerin und Unternehmerin, die in Berlin rund 100 Mitarbeiter beschäftigte und wohl 75.000 Opel in der Hauptstadt verkauft hat. Viele haben der Weltenbummlerin, die sich auch vom Verlust eines Fingers und einer Krebserkrankung im hohen Alter nicht davon abhalten ließ, mit einem Hudson Greater Eight aus dem Jahr 1930, noch eine Umrundung des Globus zu beenden. 
84 Automobilisten und 9 Fahrer historischer Motorräder weinten dem Berliner Urgestein mehr als nur eine Träne nach. Auf einer Strecke auf den Spuren ihres Berliner Lebens. 

Im letzten Juli hatte die Geschäftsführung des Einbecker PS.Speicher Heidi Hetzer gebeten, die Siegerehrung der Rallye vorzunehmen. Als es zur “Damenwertung” kam, ergriff sie empört das Mikrofon. “Wenn ich das gewußt hätte, hätte ich es nicht gemacht.” Frauen brauchen keine Extrawürste. “Wir fahren nicht schlechter Auto als die Männer. “ Für diese unerschrockene Geradlinigkeit liebte sie die Szene.  Heidi Hetzer war ein Mensch, der für seine Idee stand. Hatte sie eine Panne, was nicht selten war, arbeitete sie fieberhaft an einer Lösung, die nicht unkonventionell genug ausfallen konnte – gerne auch seelenruhig mitten im tosenden Alltagsverkehr. Und ihre Biographie zeigt im Grunde auch, wie sehr man hier auf Leistung zählt. Und Standvermögen. Und Persönlichkeit. Ganz unabhängig von Kontostand, Geschlecht, Ausbildung oder Hautfarbe. 

Von Hetzers unerwarteten Tod war nicht nur Ulf Schulz tief getroffen. Der Macher hinter der Berliner „Motorworld Classic“ bereitet gerade das 100. Jubiläum der Berliner Auto und Versuchsstrecke (AVUS) vor. Da fehlt sie nun.

Die vitale 81-jährige war gerade von einer Abenteuerfahrt in Afrika zurückgekehrt, wo sie überfallen worden war. Es ging nur um eine Atempause. NIcht mehr. In ihrer Charlottenburger Wohnung starb sie am Ostermontag.  Gemeinsam mit Sascha Keilwerth initiierte er die Gedenkfahrt.

84 Automobilisten und neun Fahrer historischer Motorräder weinten dem Berliner Urgestein am 10. Juni, Heidi Hetzers 82. Geburtstag, mehr als nur eine Träne nach. Auf einer Strecke, die den Spuren ihres Berliner Lebens folgte: Die Teilnehmer passierten ihr mittlerweile verkauftes Opel-Autohaus, an dem jahrzehntelang ihr stilisiertes Konterfei mit Schutzbrille und Lederkappe prangte und als zuverlässige Beschreibung der Ausfahrt Kaiserdamm-Nord für Ortsfremde taugte, als Navigationssysteme noch nicht verbreitet waren, sie folgten dem Kaiserdamm, in dessen Seitenstraße sie einst wohnte und der auf gerader Linie zum Brandenburger Tor führt, wo sie 2017 ihre Weltumrundung mit der Ankunft in ihrem “Hudo” feierte. Vorbei am sowjetischen Ehrenmal, das an Teilung und Krieg erinnert, über die AVUS, die 1921 eröffnete, damals gebührenpflichtige “Auto- und Versuchsstrecke”, auf der Heidi Hetzer einige ihrer rund 150 Renn-Trophäen gewann, bis zum Bikertreff “Spinnerbrücke” und zum Biergarten Loretta am Wannsee. 

Vorbei am sowjetischen Ehrenmal, das an Teilung und Krieg erinnert, über die AVUS, die 1921 eröffnete, damals gebührenpflichtige “Auto- und Versuchsstrecke”, auf der Heidi Hetzer einige ihrer rund 150 Renn-Trophäen gewann, bis zum Bikertreff “Spinnerbrücke” und zum Biergarten Loretta am Wannsee. 

Seit Bertha Benz haben immer wieder Frauen die Geschichte des Automobils an entscheidender Stelle geprägt. Die Gattin des Automobilerfinders war 1888 von Mannheim nach Pforzheim mit einem Patent-Motorwagen aufgebrochen. Heidi Hetzer war kaum weniger spektakulär, und sie hat, neben ihren Abenteuern, beinahe 40 Jahre lang rund 100 Mitarbeitern Lohn und Brot gegeben und dafür gesorgt, dass mancher Opel zurück auf die Straße fand.



Eigentlich ist Gedenkfahrt der falsche Titel. “Ich lebe nicht mehr, aber ich habe gelebt”, zitierten Hetzers Kinder Johann Wolfgang von Goethe. Heidi Hetzer gehört gefeiert. Das würde ihr gefallen. Mal sehen wie viele automobile Klassiker und Motorräder diese Ikone nächstes Jahr feiern.  Am 10. Juni 2020 wird es in ihrem Sinne heißen: Quatsch nicht, fahr los.

Text: Carl Christian Jancke

Fotos: Vivian J. Rheinheimer

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